Depressionen heilen ist keine Utopie: Wie ich endlich neue Hoffnung bekam

Mir war übel und furchtbar kalt. Mein Schädel brummte, als hätte ich gestern zu viel getrunken. Meine Finger waren steif, meine Hände kribbelten. Um mich herum war es hart. Wo war ich nur? Und was war geschehen?

Meine Lider waren schwer. Schließlich gelang es mir, meine Augen zu öffnen. Das grelle Licht blendete mich schmerzhaft. Ich sah mich um. Ich lag neben meiner Couch auf dem Wohnzimmerboden. Die Uhr an der Wand zeigte an, dass es drei Uhr nachmittags war. Plötzlich drehte sich alles um mich herum. Ich schloss die Augen. Dann fiel mir alles wieder ein.

Einen tödlichen Tablettencocktail hatte ich mir gestern verabreichen wollen. War das wirklich gestern gewesen? Vermutlich, aber alles schien mir ewig weit weg zu sein.

Einen tödlichen Tablettencocktail, der mich von meinem leidvollen Dasein endlich erlösen sollte. Aber nicht einmal das war mir gelungen. Ich brach in Tränen aus. Offensichtlich war ich noch nicht einmal dazu fähig, meinem eigenen Leben ein Ende zu bereiten. Ich hatte wie immer versagt.

 

Was ich aus meinem Selbstmordversuch gelernt habe

Wenn ich heute auf dieses erschreckende Erlebnis zurückblicke, kann ich es kaum glauben. Der Gedanke, mich umbringen zu wollen, liegt mir so fern, dass ich es mir wahrlich nicht vorstellen kann, mich jemals so schlecht gefühlt zu haben, dass ich nicht mehr leben wollte.

Dabei ist die Geschichte noch gar nicht so lange her. Mein gescheiterter Selbstmordversuch. Wenn ich dem Ganzen heute etwas Positives abgewinnen möchte, dann sicherlich, dass mich dieses Ereignis wachgerüttelt hat.

Ich brauchte damals mehrere Tage, um mich von den Nachwirkungen meines Tablettencocktails zu erholen. Erst nach etwa einer Woche war ich wieder einigermaßen bei Sinnen.

Mir schossen zahlreiche Gedanken durch den Kopf, die zwischen zwei Extremen hin- und herpendelten. Sollte ich es sofort morgen erneut versuchen, mich umzubringen? Mit einer sichereren Methode? Oder sollte ich dem Leben noch eine Chance geben? Eine neue Medikation austesten? Einen neuen Psychiater suchen?

Aber so sehr ich auch gewollt hätte, eigentlich hatte ich für einen Neuanfang gar keine Kraft mehr. Ich hatte schon so vieles ausprobiert. Zahlreiche Antidepressiva-Sorten hatten mir meine Ärzte schon verschrieben, Sport, Meditation und, und, und. Nichts hatte mir geholfen.

Schließlich entschied ich mich, mir ein Ultimatum zu setzen. Ich würde noch ein letztes Mal die wenige, übriggebliebene Energie zusammenkratzen und nach neuen Wegen aus der Depression suchen. Ein Jahr. Sollte ich nach einem Jahr keine Besserung erfahren, würde ich mir das Leben nehmen.

Von einem solchen Ultimatum möchte ich Dir wirklich abraten. Heute weiß ich, dass es einen anderen Ausweg als den Selbstmord aus der Depression gibt. Das Leben kann so schön sein! Suche nach Alternativen! Sprich mit Ärzten, Therapeuten, Heilpraktikern und anderen Betroffenen. Und lies Dir die Tipps von meinem Blog durch.

 

 

Die Rettung zur rechten Zeit

Wenn ich an die damalige Zeit zurückdenke, bin ich wirklich stolz auf mich. Ich hatte kaum noch Energie, aber das Versprechen, das ich mir selbst gegeben hatte, verschaffte mir den nötigen Antrieb. Eine letzte Chance für mein Leben!

Ich wollte mich nicht mehr nur auf meine Ärzte verlassen und ihnen alles glauben. Stattdessen diskutierte ich mit Medizinern und Psychologen über die Möglichkeiten, meine Depression zu bewältigen. Ich begann, die klassischen Therapien infrage zu stellen.

Zudem machte ich mich auf den Weg in die Bibliothek. Ich wollte die wissenschaftlichen Studien zu Depressionen und Heilungsmöglichkeiten selbst lesen. Vielleicht gab es ja Erkenntnisse, von denen meine Ärzte und Therapeuten nichts wussten.
Ich dachte auch an den Einfluss der Pharmaindustrie auf wissenschaftliche Ergebnisse und Studien. Vielleicht wurden effektive Mittel gegen psychische Probleme ja bewusst zurückgehalten, um mehr Arzneimittel zu verkaufen? Also begann ich zu forschen.
Ich lieh mir ein gutes Dutzend Bücher aus der Stadtbücherei aus. Monat um Monat. Zunächst stieß ich nur auf Therapieansätze für Depressionen, die ich schon kannte. Nachdem ich dann so etwa 40-50 Bücher durchgeblättert hatte, fand ich ein Buch mit dem Titel „Was die Seele essen will. Die Mood Cure“ von einer Autorin namens Julia Ross.

Im Prinzip basiert der Ansatz von Julia Ross auf der Annahme, dass ein biochemisches Ungleichgewicht für psychische Störungen verantwortlich oder zumindest mitverantwortlich ist. In der Regel setzen auch chemische Antidepressiva an diesem Punkt an. Im Großen und Ganzen beheben sie aber nicht das eigentliche Problem, sondern überspielen es lediglich.

Laut der „Mood Cure“ kann man Depression hingegen heilen, indem man bestimmte Nährstoffe und vor allem Aminosäuren zu sich nimmt. Hierzu muss man jedoch zunächst herausfinden, inwiefern der biochemische Haushalt aus dem Lot geraten ist, also welche Nährstoffe genau benötigt werden.

Zum Beispiel unterscheidet Julia Ross zwischen vier verschiedenen Arten von Depressionen. So gibt es die Leute, die nur die negativen Aspekte des Lebens wahrnehmen. Dann gibt es die Personen, bei denen sich die Depression primär in Antriebslosigkeit äußert. Wieder andere Depressionspatienten weisen hingegen ein hohes Stress-Level auf. Der vierte Depressions-Typus ist hochsensibel und ständig den Tränen nahe.

Selbstverständlich gibt es auch Mischformen und vielleicht findest Du Dich in zwei oder gar drei der beschriebenen Typen wieder. Dennoch sind der Autorin zufolge die Patienten je nach Symptom mit der Einnahme bestimmter Nährstoffe zu behandeln. Kein Wunder also, dass der hierzulande überwiegend verschriebene Typ von Antidepressiva, die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), nicht jedem Patienten helfen.

Anfangs zweifelte ich ein wenig an den Theorien von Julia Ross, obgleich ich sie interessant fand. Ich beschloss, mir weitere Artikel zu diesem Thema durchzulesen. Dieses Mal ging ich in die Uni-Bibliothek. Und tatsächlich! Es gab zahlreiche Studien, die die Wirksamkeit bestimmter Nährstoffe bei Depressionen belegten.

Schließlich befolgte ich also die Ratschläge des Buches. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Wenn man so weit unten ist, wie ich es damals war, macht man einfach alles, um sich irgendwie helfen zu lassen. Wenn es Dir genauso geht wie mir damals, weißt Du ja, wovon ich rede.

 

Meine Umstellung auf Aminosäuren

Ich sprach mit Ärzten und Therapeuten über die Theorien des Buches, denn eine Umstellung von Antidepressiva auf Nährstoffe sollte auf jeden Fall fachlich begleitet werden. Anfangs begegnete man mir mit Zweifeln.

Mein Hausarzt kannte die Nährstoff-Therapie bei Depressionen überhaupt gar nicht und hielt sie für Humbug. Mein Psychiater behauptete, das habe wissenschaftlich gesehen weder Hand noch Fuß. Meine ehemalige Psychotherapeutin erklärte mir, wir hätten doch schon längst besprochen, dass die Wurzeln meiner Depression in meiner Kindheit lägen.

Aber ich gab nicht auf und suchte weiter nach einem Arzt, der offen für alternative Therapien war. Zum Glück fand ich relativ rasch eine junge Psychiaterin die sich wohl während des Studiums mal mit der Thematik auseinandergesetzt hatte.

Insbesondere bei besonders schweren Depressionen können Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) gut wirken. Sollten diese Medikamente bei Dir wirken, darfst Du sie auf keinen Fall leichtfertig ohne Rücksprache mit einem Arzt absetzen.

In dem Buch von Ross kann man mithilfe von Stimmungs-Fragebögen seinen Depressionstyp bestimmen. In meinem Fall war relativ schnell klar, dass meine Depression vorwiegend einem Serotonin-Mangel geschuldet war. Ich begann, langsam und Schritt für Schritt meine SSRI abzusetzen und sie gegen die Aminosäure 5-Hydroxytryptophan (kurz: 5-HTP) auszutauschen.
Bereits nach wenigen Tagen bemerkte ich eine Verbesserung meiner Stimmung. Nach ein paar Wochen war es mir bereits unerklärlich, wie ich jemals überhaupt über Selbstmord nachgedacht haben konnte. Heute habe ich ein normales Leben mit Familie und einem guten Job, bei dem ich als Coach sogar anderen Leuten bei ihren psychischen Problemen helfen kann – an so etwas hätte ich früher nie zu denken gewagt.

 

Depression heilen – Auch für Dich gibt es Hoffnung

Was ich Dir mit dem Ausschnitt aus meinem Leben zeigen will, ist, dass auch noch Hoffnung besteht, wenn Du schon alle Antidepressiva durchprobiert hast. Auch wenn Deine Gedanken nur noch darum kreisen, wie Du Deinem Leben ein Ende bereiten kannst, gibt es einen Ausweg aus dieser Situation.

Gib Dich nicht auf! In diesem Sinne, möchte ich Dir nicht nur das Buch von Julia Ross ans Herz legen, sondern auch meinen eigenen Blog.

Im Laufe der Zeit habe ich noch zahlreiche weitere alternative Therapieansätze gegen Depressionen kennengelernt, die bei meinen Coaching-Klienten geholfen haben. Die unterschiedlichen Ansätze stelle ich Dir hier jeweils vor.

Ich weiß, dass es manchmal schwierig erscheint, die nötige Energie für noch einen und noch einen neuen Therapieansatz aufzubringen. Dennoch: Ich kann Dir nur raten, durchzuhalten. Denn das Leben lohnt sich!

1 Kommentar “Depressionen heilen ist keine Utopie: Wie ich endlich neue Hoffnung bekam”

  • Ich finde deinen Blog sehr interessant. Ich habe auch Depressionen. Vor knapp einem Jahr habe ich in Absprache mit meinem Arzt Citalopram abgesetzt. Nun geht es mir wieder schlecht. Ob wieder erkrankt oder Absetzsymtome….. Citalopram hat mir zwar geholfen, aber im Moment versuche ich noch ohne auszukommen. Nehme nun seit etwa 3-4 Wochen Htp-5. Mir geht es zwar etwas besser trotzdem habe ich u.a. noch Schwindelanfälle. Daher wollte ich fragen, ob die Wirkung (wie bei AD ja auch) langsam kommt. Welche Dosis hast du immer genommen? Seit Sa nehme ich 300 mg Htp-5. Ich hoffe so sehr, dass es mir hilft, da ich nicht von AD abhängig sein möchte. Viele Grüße Daniela

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