Naturally Healthy Mind

Depressionen und Angststörungen: Sind Deine Hormone die Ursache?

Zuletzt aktualisiert am

Leidest auch Du unter Depressionen oder vielleicht unter einer Angststörung? Und wenn ja: Warst Du deswegen schon einmal in ärztlicher Behandlung? Wie war Dein Arztbesuch? Hat der Arzt Dich intensiv durchchecken lassen, bevor er Dir ein Antidepressivum verschrieben hat? Hat er überprüft, ob mit Deinem Hormonhaushalt alles in Ordnung ist?

Wenn Dein Arzt das nicht getan haben sollte, dann ist das leider keine Ausnahme, sondern die Regel. Warum das ein fataler Fehler sein kann, ist das Thema meines heutigen Beitrags.

Hormone und psychische Probleme – ein Zusammenhang?

Bereits vor mehreren Jahren, als ich selbst noch mit meiner Depression zu kämpfen hatte, besuchte ich eine Selbsthilfegruppe, wo ich Alex kennenlernte, der bis heute ein guter Freund von mir ist. Alex litt wie auch ich bereits seit Jahren unter Depressionen. Er hatte bei der Therapie vor allem auf die medikamentöse Behandlung gesetzt, zunächst war er beim Hausarzt und dann beim Psychiater gewesen. In seiner depressiven Laufbahn testeten die Ärzte fast alle gängigen Antidepressiva an ihm – ohne Erfolg. Er fühlte sich zwar mit einigen der Psychopharmaka ein wenig besser, aber schließlich unterlagen die Arzneimittel den Depressionen.

Eines Tages erschien Alex nach ein paar Wochen Abwesenheit erneut bei unseren Selbsthilfe-Abenden. Man sah ihm direkt an, dass es ihm gut ging. Er wollte uns von seinen Fortschritten berichten, erklärte er. Nachdem weder sein Hausarzt noch sein Psychiater ihm hatten helfen können, hatte er sich einen neuen Hausarzt gesucht, besser gesagt: eine Ärztin. Diese hatte ihn – zu seiner völligen Überraschung – zu einem Endokrinologen geschickt, wo er zahlreiche Tests machen sollte.

Die Endokrinologie befasst sich mit dem Stoffwechsel und mit Hormonen. Kaum waren die Testergebnisse da, bestätigte sich der Verdacht des Mediziners. Statt Antidepressiva wurden Alex Präparate verschrieben, die seinen Hormonhaushalt regulieren sollten. Alex sagte mir, dass er sich seit Langem nicht mehr so gut gefühlt habe.

Alex: ein Einzelfall?

Natürlich weckte Alex’ Bericht auch in mir die Hoffnung, dass sich meine Depression mit der Regulierung meines Hormonhaushaltes in Luft auflösen würde. Ich machte sofort einen Termin beim Endokrinologen. Als ich mit dem Arzt sprach, erzählte ich ihm sofort von Alex’ Geschichte und fragte, ob so etwas öfter vorkäme.

Der Endokrinologe sagte, dass es durchaus üblich sei, dass Personen nach jahrelanger erfolgloser Behandlung mit Psychopharmaka bei ihm in der Praxis landeten. Dabei würden hormonelle Ungleichgewichte nicht nur Symptome von Depressionen hervorrufen, sondern auch von Angststörungen oder dem Burnout-Syndrom.

Dem Mediziner zufolge würden Angststörungen häufig durch eine Schilddrüsenüberfunktion, eine zu niedrige Testosteronausschüttung oder zu hohe Schilddrüsen- bzw. Cortison-Medikation begünstigt.

Bei Depressionen könne man vor allem einen Mangel an diversen Hormonen feststellen. Eines dieser Hormone stellt das Progesteron dar, wobei es sich um eines der wichtigsten Gestagene handelt. Ein Mangel kann zum Beispiel durch hormonelle Verhütung oder durch eine Eierstockschwäche entstehen. Auch wenn das Schilddrüsenhormon FT3, das Trijodthyronin, nicht ausreichend produziert wird, kann es zu Depressionen kommen. Weiterhin werde nicht selten eine Depression diagnostiziert, wenn nicht genügend Hormone vorhanden sind, die in der Hirnanhangdrüse (Hypophysenhormone) oder in der Nebenniere (besonders Cortisol) gebildet werden. Bei einem Burnout ließe sich oft eine Nebennierenschwäche und eine damit einhergehende unzureichende Hormonproduktion beobachten.

Wie sich Hormone auf die Stimmung auswirken

Das Thema begann mich mehr und mehr zu interessieren, sodass ich beschloss, mehr hierzu zu lesen. Auch wenn nicht immer gleich eine Depression oder eine Angststörung diagnostiziert wird, so lassen sich doch zahlreiche weitere Anzeichen identifizieren, die auf eine Störung im Hormonhaushalt zurückzuführen sind. Typische neurologische bzw. psychische Symptome sind Müdigkeit und Leistungsschwäche, Vergesslichkeit, Schlafstörungen, Stressintoleranz sowie Stimmungstiefs und Stimmungsschwankungen. Diese und weitere Anzeichen lassen sich bestimmten Hormonen bzw. Arten von Hormonen zuordnen. Wissenschaftler betonen in Bezug auf das psychische Wohlbefinden insbesondere die Bedeutung der folgenden Hormone:

  • Schilddrüsenhormone
  • Östrogen
  • Progesteron
  • Testosteron

Auf diese Hormone und darauf, was passiert, wenn sie in Deinem Körper aus dem Gleichgewicht geraten sind, werde ich nun ein wenig genauer eingehen:

Die Schilddrüse – verantwortlich für Energie und Stimmung

Die Schilddrüse ist recht bekannt. Sie befindet sich beim Menschen im unteren Teil des Halses. Die Drüse reguliert zum einen den Energieverbrauch und zum anderen ist sie verantwortlich für die Produktion von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und GABA. Bei einer Funktionsstörung der Schilddrüse können zu wenige oder zu viele Hormone produziert werden. Man spricht demgemäß entweder von einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Schilddrüsenüberfunktion.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse zeigt sich in Experimenten eine verminderte Gehirnaktivität, die im Zusammenhang mit folgenden typischen Störungen steht:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Gedächtnisprobleme
  • Depression
  • Aufmerksamkeitsdefizit
  • Psychose

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wird so viel Hormon produziert, dass Dein Körper unter Hochspannung steht. Charakteristisch sind diese Symptome:

  • Schlaf- und Ruhelosigkeit
  • Angst
  • Reizbarkeit
  • rasende Gedanken
  • Konzentrationsschwäche
  • Gedächtnisprobleme
  • Depression
  • Manie
  • Psychose

Östrogen – essentiell für Deine Stimmung

Östrogen müsste Dir vor allem ein Begriff sein, wenn Du eine Frau bist, denn hierbei handelt es sich um eines der wichtigsten Sexualhormone, das an dem Menstruationszyklus beteiligt ist. Aber auch im männlichen Körper spielt das Östrogen eine Rolle. Wenn der Östrogenspiegel ausgeglichen ist, trägt dies spürbar zu Deinem Wohlbefinden bei. Problematisch wird es jedoch, wenn zu wenig oder zu viel Östrogen produziert wird. Dabei kommt es auch auf das Verhältnis zu einem anderen Hormon, dem Progesteron, an.

Bei einer Östrogen-Dominanz häufen sich die folgenden Symptome:

  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen
  • Müdigkeit
  • langsamer Stoffwechsel
  • geringe Libido
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Gehirnnebel
  • Gedächtnisverlust
  • Gewichtszunahme, insbesondere an Bauch und Hüften
  •  Schilddrüsenfunktionsstörung
  • Schlafstörungen
  • fibrozystische Veränderungen der Brust
  • Blähbauch
  • Pilzerkrankungen (vaginale oder oral)
  • starke Blutungen
  • Heißhunger auf Kohlenhydrate

Bei einem zu niedrigen Östrogenspiegel sind hingegen diese Symptome typisch:

  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen
  • Weinerlichkeit
  • Müdigkeit
  • Herzklopfen
  • Osteoporose
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Gehirnnebel
  • Gedächtnisverlust
  • Gewichtszunahme
  • Blaseninkontinenz
  • Blasenentzündungen
  • Schlafstörungen
  • chronische Schmerzen
  • Hitzewallungen

Progesteron – das Hormon, das Dich vor Angst beschützt

Bei Progesteron handelt es sich um das andere Hormon, das im Zyklus einer Frau einen essentiellen Stellenwert einnimmt. Aber – und das sei auch hier gesagt – auch Männer benötigen Progesteron für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt.
Im Gehirn wird das Hormon insbesondere zur Beruhigung und zur Entspannung genutzt. In gewissem Sinne schützt es Deine Nerven. Außerdem konnten Auswirkungen auf den Botenstoff Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) nachgewiesen werden. GABA reguliert innere Anspannung und löst Ängste. Das erklärt auch, warum einige Frauen unter dem sogenannten Prämenstruellen Syndrom (PMS) leiden, denn kurz vor der Menstruation sinken Progesteron und Östrogen. Häufige Symptome eines niedrigen Progesteronspiegels sind:

  • Angst
  • Depression
  • Schlafstörungen
  • fibrozystische Veränderungen der Brust
  • PMS
  • Prämenstruelle Kopfschmerzen
  • Postpartale Depression
  • Knochenschwund

Testosteron – das Hormon für Stimmung und Motivation

Während Progesteron und Östrogen mit Frauen assoziiert werden, haben bei Testosteron die meisten nur Männer im Kopf. In der Tat ist Testosteron für die Entwicklung von typischen männlichen Merkmalen, wie der tiefen Stimmen oder dem Bart, verantwortlich. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass auch Frauen Testosteron benötigen und produzieren. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen schützt Testosteron vor kognitiven Beeinträchtigungen und vor psychischen Störungen.

Ein niedriger Testosteronspiegel kann sich wie folgt zeigen:

  • Launenhaftigkeit
  • Depression
  • Angst
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Motivationsprobleme
  • geringe Libido
  • Ermüdungserscheinungen
  • Schlafstörungen
  • Erektionsprobleme
  • erhöhter Anteil an Körperfett
  • reduzierte Muskelmasse
  • geringe Knochendichte
  • Hitzewallungen
  • Haarausfall

Was kannst Du tun, wenn Du ein hormonelles Ungleichgewicht vermutest?

Wenn Du bestimmte Symptome an Dir feststellen solltest, kann ein Besuch beim Arzt Dir vielleicht Aufschluss darüber geben, ob Deine Hormone daran Schuld sein könnten. Hat man Dir bereits eine Depression oder eine Angststörung attestiert und solltest Du noch keine Tests zur Überprüfung Deines Hormonspiegels gemacht haben, solltest Du dringend einen Endokrinologen aufsuchen – vor allem, wenn Deine Medikamente oder andere Therapieansätze bisher keinen Erfolg zeigen.

Hormontests können auf ganz unterschiedliche Weise durchgeführt werden. So stehen zum Beispiel Urintests, Speicheltests oder Bluttests zur Verfügung. Je nachdem, welche Hormone überprüft werden sollen, wird der Arzt eine andere Methode wählen.
Das Thema ist ziemlich komplex, deswegen habe ich hier versucht, Dir in einem Überblick die wichtigsten Informationen zu geben. Falls Du weitere Informationen benötigst, habe ich Dir ein paar weiterführende Quellen herausgesucht.

Alles Gute!

Dein Martin

 

Weiterführende Literatur:

Chávez-Castillo, M., Núñez, V., Nava, M., Ortega, Á., Rojas, M., Bermúdez, V. & Rojas-Quintero, J. (2019). Depression as a Neuroendocrine Disorder: Emerging Neuropsychopharmacological Approaches beyond Monoamines. In: Advances in Pharmacological and Pharmaceutical Sciences (https://www.hindawi.com/journals/aps/2019/7943481/#abstract).
Gobinath, A. R., Choleris, E. & Galea, L. A. M. (2016). Sex, hormones, and genotype interact to influence psychiatric disease, treatment, and behavioral research. In: Journal of Neuroscience Research, 95: 50-64. DOI:10.1002/jnr.23872 (https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00115-002-1444-7.pdf).
Hantsoo, L., & Epperson, C. N. (2017). Anxiety Disorders Among Women: A Female Lifespan Approach. In: Focus (American Psychiatric Publishing), 15(2), 162-172 (https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00115-002-1444-7.pdf).
van Honk, J., Bos, P. A., Terburg, D., Heany, S., & Stein, D. J. (2015). Neuroendocrine models of social anxiety disorder. In: Dialogues in clinical neuroscience, 17(3), 287-293 (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4610613/https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4610613/).
Ströhle, A. (2003): Die Neuroendokrinologie von Stress und die Pathophysiologie und Therapie von Depression und Angst. In: Nervenarzt, 74: 279-29 ; DOI 10.1007/s00115-002-1444 (https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00115-002-1444-7.pdf).

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sign up to our newsletter!

kostenlose TIPPS PER EMAIL

Über 300 Menschen haben ihre Depression oder Angststörungen mit meinen Tipps schon geheilt.