Was eine Nebennierenschwäche mit Deinem Burnout zu tun haben kann

Heute möchte ich mit Dir mal über eine oft verkannte Ursache von Burnout und anderen psychischen Problemen wie Depressionen, Nervosität, Angst und Panik sein kann. Wenn Du meinen Blog verfolgst, dann weißt Du vielleicht schon, dass ich jahrelang an schlimmsten Depressionen gelitten habe. So schlimm, dass ich mir am Ende nur noch das Leben nehmen wollte. Für mich war der einzige Ausweg damals, selbst aktiv zu werden und mich nicht mehr nur auf meine Ärzte zu verlassen. Ich wollte vor allem wissen, was die Gründe für meine Depression waren. Dabei bin ich auch darauf aufmerksam geworden, dass eine Depression nicht nur psychische Ursachen haben kann, sondern ebenfalls körperliche. Das hat mich dazu gebracht, mehr über die Nebennierenschwäche herauszufinden.

 

Was ist die Nebenniere und wofür ist sie zuständig?

Bei der Nebenniere handelt es sich um eine Hormondrüse, die sich beim Menschen am oberen Nierenpol befinden und so klein ist, dass sie nur zwischen 5 und 15 Gramm wiegt. Das Wort “Hormon” macht Dich vielleicht schon hellhörig, denn ein gesunder Hormonhaushalt gilt als Voraussetzung dafür, unseren Körper sowie unsere Psyche im Gleichgewicht zu halten. Wie bedeutend die Nebenniere für unser Wohlbefinden ist, kannst Du daran erkennen, welche Hormone dort gebildet werden. Dazu zählen:

  • – Adrenalin und Noradrenalin: gehören zur Gruppe der Katecholamine und sind sogenannte Stresshormone, die insbesondere bei kurzzeitigen Stresssituationen ausgeschüttet werden
  • – Cortisol: gehört zur Gruppe der Glukokortikoide, die unter anderem für die Regulierung des Stoffwechsels und die Unterdrückung von übermäßigen Immun- sowie Stressreaktionen verantwortlich sind, weshalb Cortisol ebenfalls als Stresshormon eingestuft wird, das die Nebenniere vornehmlich bei langanhaltendem Stress ausschüttet
  • – Aldosteron: gilt als das wichtigste der Mineralcorticoide, das zur Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushalt notwendig ist
  • – DHEA (Dehydroepiandrosteron): das Steroidhormon stellt die Vorstufe für die weiblichen Sexualhormone (Estrogene) und die männlichen Sexualhormone (Androgene) dar

 

Die Nebenniere und Stress

Wie Du sehen kannst, übernehmen die Nebennieren mit ihrer Hormonproduktion vielerlei Funktionen. Im Zusammenhang mit der Nebennierenschwäche ist vor allem interessant, was passiert, wenn Du Stress ausgesetzt bist. Zunächst, in kurzfristigen Stresssituationen, die Dein Körper als eine Gefahr interpretiert, findet im Körper eine sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion statt. Dabei werden Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt, die dem Körper die notwendige Energie dafür liefern, sich in Gefahrensituationen angemessen zu verhalten: entweder fliehen oder kämpfen. Selbstverständlich ist eine solche Reaktion erst einmal als überlebenswichtig zu betrachten. Wenn diese extreme Stresssituation etwas länger andauert, wird vom Körper zusätzlich auch noch Cortisol produziert.

Im heutigen Zeitalter müssen wir uns weniger mit kurzfristigen Gefahren wie der Begegnung mit wilden Tieren auseinandersetzen. Vielmehr stehen wir durchgehend unter Druck, ausgelöst durch Job und Studium, wo die Gefahren der zunehmenden Anforderungen in Bezug auf Flexibilität und stetiger Erreichbarkeit lauern.

 

Ganz allgemein lässt sich Stress in vier Klassen einteilen:

  • – Psychischer Stress wird häufig durch Zeit- oder Leistungsdruck ausgelöst. Aber auch Perfektionismus, Traumata, Doppelbelastungen durch Beruf und Familie sowie zu geringe Möglichkeiten, sich zu entspannen, sich auszuruhen oder das Leben zu genießen, können zu psychischem Stress führen.
  • – Körperlicher Stress entsteht durch schwere körperliche Arbeit, Leistungssport, chronische oder akute schwere Erkrankungen und ein überlastetes bzw. gestörtes Immunsystem. Nach Operationen oder einer Chemotherapie kann ebenfalls körperlicher Stress entstehen.
  • – Sensorischer Stress wird durch Reizüberflutung durch stetige Lärmbelastung, Computerspielen, Arbeiten am Rechner sowie durch übermäßiges Fernsehen hervorgerufen. Smartphones, Tablets und Ähnliches und die damit einhergehende ständige Erreichbarkeit tragen ebenfalls zum sensorischen Stress bei.
  • – Metabolischer Stress ist hingegen stoffwechselbedingt und kann durch eine ungesunde Ernährungsweise mit viel Weißmehlen oder Frittiertem ausgelöst werden. Auch Koffein wirkt sich negativ auf metabolischen Stress aus. Nahrungsmittelunverträglichkeiten gelten auch als Stressfaktor.

 

Was passiert, wenn man übermäßigem Stress ausgesetzt ist?

Wenn Du sogenanntem Dauerstress ausgesetzt bist, kann das über kurz oder lang zu einer Nebennierenschwäche führen. In einer detaillierteren Betrachtung, lassen sich unterschiedliche Phasen der Entstehung einer Nebennierenschwäche beschreiben. In der ersten Phase, in der Du akutem Stress ausgesetzt bist, sind die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin erhöht. Nervosität und Unruhe machen sich bemerkbar. Wenn der Stress jedoch weiterhin anhält, sinkt in der direkten Folge der Serotonin-Spiegel, weil das sogenannte Glückshormon Serotonin bei Dauerstress in gesteigertem Maße vom Körper gebraucht wird. Dieser Serotoninmangel kann direkte Auswirklungen auf Deine Befindlichkeit haben, Heißhungerattacken verursachen oder zu Schlafstörungen führen. Wenn der Stress dann immer noch weiter anhält, beginnt die Nebenniere, jede Menge Cortisol und DHEA zu produzieren. Allerdings hält dies nicht lange an, denn die Nebennieren erschöpfen irgendwann, woraufhin der der Cortisol-Spiegel sinkt und daraufhin auch der DHEA-Spiegel. Die Adrenalin- und die Noradrenalin-Herstellung sind ebenfalls nicht mehr ausreichend. Die Nebennierenschwäche ist nun vollkommen ausgeprägt. Du fühlst Dich so müde, erschöpft und ausgelaugt, dass du den alltäglichen Belastungen nicht mehr standhältst. Oft erfolgt dann die Diagnose des Burnout-Syndroms.

 

Nebennierenschwäche: Welche Symptome zeigen sich?

Die direkte Konsequenz einer Nebennierenschwäche, auch Nebenniereninsuffizienz genannt, ist also ein Nebennierenhormonmangel. Wenn Du an einem solchen Mangel leidest, wirst Du als erstes Erschöpfung wahrnehmen und man wird vielleicht auch Fatigue feststellen, wobei Letztgenanntes einen Zustand mit extremer Müdigkeit, Erschöpfung und übersteigertem Ruhebedürfnis beschreibt, ohne dass Du kürzlich eine entsprechend anstrengende Aufgabe erledigt hättest.
Die meisten Menschen nehmen diesen Zustand erst einmal hin und erklären ihn sich mit einer stressigen Phase, die man durchlaufen hat, oder vielleicht auch mit einer Erkältung, die im Anmarsch ist. Ein Nicht-Eingreifen in diesem Moment kann jedoch zu weiteren, ernsthafteren psychischen und körperlichen Erkrankungen führen.

Die folgenden Symptome oder auch diagnostizierten Krankheiten können Anzeichen für eine Nebennierenschwäche sein:

  • – Burnout-Syndrom
  • – depressive Verstimmungen und Depressionen
  • – Angst und Panikattacken
  • – Tendenz, in emotionalen Situationen zu weinen
  • – geringe Stresstoleranz
  • – Unruhe und Stimmungsschwankungen
  • – Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit (sogenannter Gehirnnebel oder Brain Fog)
  • – nervöse Magenbeschwerden (auch mit Übelkeit und Erbrechen)
  • – Reizdarm oder andere Verdauungsstörungen
  • – übersteigerte Schmerzempfindlichkeit
  • – Gefühl von Muskelschwäche
  • – niedriger Blutdruck (bei Gefäßverkalkung kann hoher Blutdruck vorkommen)
  • – Schwindel bei (insbesondere schnellem) Aufstehen
  • – hohes Schlafbedürfnis, frühes Aufstehen fällt schwer
  • – Bedürfnis nach Kaffee oder anderen koffeinhaltigen Getränken, um aufstehen zu können, oder, während des Tages, zur Erledigung von Aufgaben
  • – Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf
  • – Energietief am Nachmittag, Besserung am Abend nach dem Abendessen
  • – Verlangen nach Salz, fetthaltiger Nahrung und/oder proteinreicher Kost
  • – verringerte Libido und/oder Potenzprobleme
  • – Haarausfall
  • – trockene Haut oder Akne
  • – Schwierigkeiten beim Abnehmen oder Zunehmen

Wie Du sehen kann, sind es wirklich zahlreiche Anzeichen, die auf eine Nebennierenschwäche hindeuten können. Wenn Du an einer Nebennierenschwäche leiden solltest, werden wahrscheinlich nicht alle diese Symptome bei Dir vorkommen. Sollte Dir aber so einiges aus der Liste bekannt vorkommen, dann lohnt es sich, genauer zu überprüfen, ob die Nebenniere bei Dir daran schuld ist.

 

Diagnose und Behandlung der Nebennierenschwäche

Wenn Du den Verdacht haben solltest, an einer Nebennierenschwäche zu leiden, dann sollten mehrere Laboruntersuchungen vorgenommen werden. Zunächst einmal sollte der Cortisol-Spiegel analysiert werden. Um herauszufinden, wann Du besonders gestresst bist, ist es empfehlenswert, ein Tagesprofil anhand mehrerer Speichelproben zu erstellen. Auch die Bestimmung der DHEAS- und der Pregnenolon-Konzentration ist hilfreich für Diagnose. Schließlich ist in vielen Fällen auch eine Analyse der Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin sowie Dopamin, Serotonin, GABA und Glutamat sinnvoll.

Ist die Nebennierenschwäche einmal diagnostiziert und bestimmt, welche Stoffe in Deinem Körper aus dem Gleichgewicht gebracht wurden, stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung. Das Ziel ist es, die Nebennieren wieder zu regenerieren. Wie Du bereits weißt, wenn Du meinen Blog kennst, bin ich ein großer Fan von Nährstoffen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Möglichkeit, der Nebennierenschwäche zu begegnen, besteht dementsprechend darin, dem Körper die Nährstoffe zuzufügen, die die Nebennieren für die Produktion der Hormone benötigen. Selbstverständlich solltest du dabei nicht nur auf Nahrungsergänzungsmittel setzen, sondern auch Deine gesamte Ernährung umstellen. Ein Ernährungsberater kann Dir dabei helfen.

Selbstverständlich nützt die beste Ernährung nichts, wenn Du weiterhin stetigem Stress ausgesetzt bist. Demgemäß solltest Du auch Deine Lebensgewohnheiten unter die Lupe nehmen und abwägen, was Du verändern kannst.

 

Mein Tipp: Bestehe auf Dein Recht auf Untersuchungen!

Wenn Du bereits mit Deinem Hausarzt über Deine psychischen Probleme gesprochen hast oder vielleicht sogar schon beim Psychiater warst, dann hast Du vielleicht schon dasselbe miterlebt, wie viele andere: Dir werden Antidepressiva und andere Psychopharmaka verschrieben, bevor Du überhaupt richtig untersucht wirst. Da ich nach mehreren Jahren des Leidens darauf bestanden habe, dass man mich gründlich untersucht, weiß ich, dass bei mir keine Nebennierenschwäche vorlag. Aber wer weiß? Vielleicht ist die Nebenniere ja bei Dir des Rätsels Lösung. Ich wünsche Dir bei Deiner Ursachenforschung viel Erfolg!