Tryptophan – die natürliche Antwort auf Antidepressiva

Wenn Du eine natürliche Methode zur Bekämpfung Deiner Depression vorziehst, wirst Du wahrscheinlich großes Interesses an Tryptophan haben. Denn hierbei handelt es sich im Prinzip einfach nur um eine essentielle Aminosäure, die wirksam gegen Depressionen ist.

Im Anschluss werde ich Dir genauer erklären, was Tryptophan ist, was es mit Deinem Körper sowie Deinem Geist macht und wie es einzunehmen ist.

Vorher möchte ich Dich aber noch kurz darauf hinweisen, dass Du auch unbedingt die Textabschnitte über die Kontraindikationen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen von Tryptophan lesen solltest. Denn schließlich ist es wichtig, dass Du über alle eventuellen Risiken aufgeklärt bist, wenn Du Dich für die Einnahme von Tryptophan entscheidest.

Lass Dich bitte nicht sofort von meinem Hinweis abschrecken. Generell ist Tryptophan eine optimale natürliche Alternative zu chemischen Antidepressiva. Also lies Dir alle Informationen erst einmal in Ruhe durch.

Was ist Tryptophan genau?

Tryptophan – auch L-Tryptophan – ist eine essentielle Aminosäure. Essentiell bedeutet hierbei, dass diese Aminosäure lebensnotwendig für Dich ist, Dein Körper sie aber nicht selber herstellen kann. Deswegen musst Du Tryptophan mit der Nahrung aufnehmen.

Gesunde Erwachsene benötigen täglich etwa 3,5 mg bis 6 mg der Aminosäure. In der wissenschaftlichen Literatur wird jedoch davon berichtet, dass der Bedarf bei einigen Personen erheblich von dieser angegebenen Menge abweichen kann.

Bei gesunden Menschen kommt ein Tryptophan-Mangel selten vor. Sollte es dem Körper an Tryptophan fehlen, kann das mittels einer genauen Urinanalyse festgestellt werden.

Tryptophan ist in zahlreichen Lebensmitteln enthalten und tritt in der Regel als Bestandteil von Proteinen auf. Hohe Anteile an der essentiellen Aminosäure sind beispielsweise in Sojabohnen, Milch, Hähnchenbrustfilet oder Cashew-Kernen nachgewiesen worden.

Wenn Du Tryptophan zu Dir genommen hast, wandelt Dein Körper es automatisch erst in 5-HTP (5-Hydroxytryptophan) und schließlich in Serotonin (das so genannte Glückshormon) um. Dieses bildet wiederum unter anderem die Basis für Melatonin (das so genannte Schlafhormon).

 

Was bewirkt Tryptophan im Körper?

Um zu erklären, was Tryptophan im Körper bewirkt, ist es wichtig, zunächst einmal zu erläutern, was Serotonin ist.

Serotonin ist ein Neurotransmitter, der – um es einfach auszudrücken – für Deine Stimmung zuständig ist. Deswegen wird Serotonin im Volksmund auch das „Glückshormon“ genannt. Gerät Dein Serotonin-Spiegel ins Ungleichgewicht, kann Deine Laune ganz schön ins Wanken geraten.

Wenn Du schon seit längerer Zeit unter Depressionen oder auch Angststörungen leidest, dann wird Dir der Begriff „Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“ (abgekürzt auch SSRI) sicherlich etwas sagen.

Später werde ich noch ein wenig intensiver auf SSRI und deren Wirkung eingehen. Denn tatsächlich setzen viele chemische Anti-Depressiva bei diesem Neurotransmitter an.

Ein Serotoninmangel kann zum Beispiel durch eine zu geringe Tryptophan-Aufnahme ausgelöst werden. Denn dann kann Dein Körper nicht genug Serotonin produzieren.

Außerdem können bestimmte Stoffe die Produktion von Serotonin im Körper hemmen. Hierzu gehören zum Beispiel der künstliche Süßstoff Aspartam, Koffein oder Alkohol.

Auch bei einem Mangel an Sonnenlicht oder an Bewegung sowie bei einer Schwangerschaft kann die Serotoninproduktion unterbrochen werden.

Bei Stress wird die Serotoninproduktion zwar nicht gehemmt, dafür ist der Bedarf an Serotonin jedoch viel höher.
Des Weiteren wird heute davon ausgegangen, dass auch besondere genetische Voraussetzungen einen Serotoninmangel bedingen können.

 

Wann und wobei wird Tryptophan angewandt?

Tryptophan wird in zahlreichen Situationen empfohlen. Genutzt wird es jedoch prinzipiell bei unterschiedlichen Symptomen von Serotoninmangel, wie zum Beispiel auch bei Depressionen. Daher kommt Tryptophan vor allem als Stimmungsaufheller, als Schlafmittel oder als Mittel zur Gedächtnisförderung zum Einsatz.

Außerdem wird Tryptophan als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben, von dem auch im Bereich des Bodybuildings Gebrauch gemacht wird.

Inwiefern Tryptophan die Stimmung beeinflusst, ist bereits in mehreren Studien überprüft worden. Herausgestellt wurde, dass Tryptophan auf die Menschen verschiedene Wirkungen hat.

Zu differenzieren ist in Bezug auf den Effekt von Tryptophan den Forschern zufolge, ob in der persönlichen oder familiären Vorgeschichte Depressionen zu verzeichnen sind. Fest steht jedoch, dass Menschen mit Depressionen generell häufiger zu Stimmungsschwankungen neigen, die mit dem Tryptophan-Spiegel im Zusammenhang stehen.

Bei einer 2015 durchgeführten Studie erkannte man, dass eine regelmäßige Einnahme der Aminosäure zu einer verbesserten emotionalen Verarbeitungsfähigkeit führt. Außerdem wurde deutlich, dass die Grundstimmung durch Tryptophan positiv beeinflusst wird und das Glücksempfinden zunimmt.

Ein weiteres interessantes Ergebnis erzielte eine Studie aus dem Jahr 2016. Die Forscher sehen Anhaltspunkte dafür, dass Depressionen mit einer biochemischen Veränderung des Tryptophan-Metabolismus einhergehen könnten. Demgemäß würde Tryptophan hier nicht in Serotonin, sondern beispielsweise in Neurotoxine umgewandelt werden.

Man vermutet, dass Stresshormone oder Entzündungen und parallel dazu ein Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen für das Misslingen der Umwandlung verantwortlich sind.

Zudem wird im Rahmen der Studien zu Tryptophan betont, dass die Aminosäure einen positiven Effekt auf das Schlafverhalten hat. Langes, regelmäßiges und ruhiges Schlafen wirkt sich wiederum positiv auf die Grundstimmung aus. In dem gleichen Zusammenhang ist auch der stresslindernde Effekt von Tryptophan zu deuten.

Die schlaffördernde Wirkung von Tryptophan beruht hingegen auf dem Stoff Melatonin, der als Schlafhormon bekannt ist. Im Rahmen der chemischen Prozesse im Körper wird Tryptophan in 5-HTP, dann in Serotonin und schließlich in Melatonin gewandelt. Auf diese Weise konnte Tryptophan bei Versuchen in einer geringen Dosierung sogar chronische Schlafstörungen beheben.

Positiv ist für Personen mit Schlafstörungen außerdem, dass im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten zur Schlafförderung keine Toleranzentwicklung hervorgerufen wird. Auch bei längerer Einnahme ist dieser Effekt nicht zu erwarten.

In Bezug auf den Einfluss auf die Gedächtnisleistung ist bemerkenswert, dass Tryptophan bei Menschen mit einer bipolaren Störung oder mit Depressionen negative Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten zu haben scheint. Personen mit einer diesbezüglich unauffälligen Diagnose verbessern Studien zufolge ihre Leistungen hingegen.

 

Wo und in welcher Form ist Tryptophan erhältlich?

Tryptophan ist in Deutschland als rezeptfreies Arzneimittel zugelassen. Allerdings beschränkt sich die Zulassung auf das Angebot von Tryptophan als Schlafmittel. Außerdem sind auch Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Tryptophan im Handel.

In der Regel wird Tryptophan in Tabletten- oder Kapselform mit 500 mg angeboten. Prüf aber bitte immer nach, ob es sich wirklich um diese Dosierung handelt.

Verkauft wird Tryptophan in Deutschland in Apotheken. Da das Produkt außerdem als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben wird, ist es ebenfalls über andere Verkaufskanäle wie zum Beispiel über Online-Händler zu beziehen.

 

Welche Nebenwirkungen kann Tryptophan verursachen?

Auch wenn Tryptophan ebenfalls in Deiner gewöhnlichen Nahrung vorkommt, kann es bei der Einnahme von Tryptophan wie bei den meisten Arzneimitteln zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.
Hierzu gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Niedriger Blutdruck
  • Schwindel
  • Schläfrigkeit
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit

Die Nebenwirkungen treten relativ selten auf und sind vor allem bei höheren Dosierungen von Tryptophan beobachtet worden.

Solltest Du bei Dir noch weitere Nebenwirkungen beobachten, sprich am besten sofort mit Deinem behandelnden Arzt oder einem Apotheker.

Trotz dieser genannten Nebenwirkungen möchte ich darauf hinweisen, dass diese nicht vorkommen müssen. Wenn Du bereits klassische Anti-Depressiva genommen hast, wirst Du wahrscheinlich wissen, dass die möglichen Nebenwirkungen von Tryptophan im Vergleich zu den meisten gängigen Psychopharmaka viel geringer ausfallen.

Ich nehme selbst immer noch mehrmals wöchentlich 500mg Tryptophan ein und habe keinerlei Nebenwirkungen.

 

Der Skandal um Tryptophan

Bereits in den 1970er Jahren war Tryptophan ein angesagtes Nahrungsergänzungsmittel. Insbesondere in den USA konnte die Aminosäure Erfolge feiern.

Gegen Ende des Jahres 1989 wurde ein sprunghafter Anstieg des so genannten Eosinophilie-Myalgie-Syndroms (EMS) registriert. Die Krankheit ging mit Symptomen wie starken Muskelschmerzen sowie einem Anstieg der weißen Blutkörperchen einher. Im Verlauf entstanden außerdem Hautveränderungen und Schäden am Muskel- und Nervensystem. Von dem sonst eher selten auftretenden Syndrom wurden innerhalb weniger Monate in den USA etwa 1500 Fälle gezählt. Auch in Deutschland wurde das Syndrom gemeldet, um die 500 Personen erkrankten.

Das Eosinophilie-Myalgie-Syndrom (EMS) kann auch tödlich verlaufen, mehr als 20 Todesfälle wurden bekannt.

Untersuchungen bestätigten, dass alle betroffenen Patienten Tryptophan eingenommen hatten. Die Dosis schwankte hierbei zwischen 26 mg und 15 Gramm. Die Behörden und Pharmakonzerne handelten rasch. Tryptophan wurde vom Markt genommen und die Produktion eingestellt.

Anschließende Analysen ergaben jedoch, dass ausschließlich diejenigen Patienten an EMS erkrankten, die Tryptophan eines bestimmten japanischen Herstellers konsumiert hatten: Showa Denko.

Nach weiteren Recherchen wurde aufgedeckt, dass Showa Denko das Tryptophan mithilfe gentechnischer Prozesse hergestellt hatte. Hierbei trat eine Verunreinigung auf, die schließlich für den Ausbruch von EMS verantwortlich gemacht wurde.

Infolge dieser Untersuchungsergebnisse wurde Tryptophan im Jahr 1996 in Deutschland wieder zugelassen.
Obgleich wohl sicher ist, dass der epidemieartige Anstieg von EMS mit dem verunreinigten Tryptophan von Showa Denko im Zusammenhang steht, möchte ich Dir nicht verschweigen, dass es weitere Nachforschungen zu den EMS-Vorfällen gibt.

Kritiker gehen heute wie damals davon aus, dass in Einzelfällen auch nicht verunreinigtes Tryptophan EMS auslösen kann.

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Selbstverständlich kommt der Wirkstoff Tryptophan als essentielle Aminosäure ebenfalls in Deiner alltäglichen Nahrung vor. Allerdings ist die Substanz dort nicht so konzentriert wie in Tablettenform.

Da auch andere Medikamente auf den Serotonin-Spiegel einwirken, kann in Kombination mit Tryptophan unter Umständen das sogenannte Serotonin-Syndrom ausgelöst werden.

Zu den Medikamenten, die mit Tryptophan interagieren gehören prinzipiell alle selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Triptane, tri- und tetrazyklische Anti-Depressiva. Aber auch Tramal oder sämtliche MAO-Hemmer können in Kombination mit der Aminosäure zu dem Serotonin-Syndrom führen.

Das Serotonin-Syndrom äußert sich unter anderem durch folgende Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, starkes Schwitzen, Puls- und Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen, erweiterte Pupillen und schnelle Atmung.
Wenn Du diese oder ähnliche Symptome bemerkst, solltest Du umgehend einen Arzt aufsuchen.

Das Serotonin-Syndrom kann in Einzelfällen zum Tod führen. Das sollte Dich jetzt nicht vor einer Einnahme von Tryptophan abschrecken. Du solltest jedoch verantwortungsvoll mit der Einnahme umgehen.

Sprich mit Deinem Arzt und mit Deinem Apotheker, wenn Du bereits regelmäßig Medikamente einnehmen solltest. Wichtig ist dies vor allem, wenn diese Dir ebenfalls wegen Deiner Depression verordnet wurden.

Ist sonst noch etwas zu beachten?

Du solltest bedenken, dass nach der Einnahme von Tryptophan Dein Reaktionsvermögen herabgesetzt sein kann. Insbesondere wenn Du Alkohol trinkst, kann der Effekt noch verstärkt werden.

Vor allem, wenn Du Auto fährst oder Maschinen bedienst, ist daher besondere Vorsicht geboten.

 

Wann darf ich Tryptophan auf keinen Fall einnehmen?

Selbstverständlich darfst Du Tryptophan nicht einnehmen, wenn Du eines der oben unter „Wechselwirkungen“ aufgeführten Medikamente nimmst.

Außerdem darfst Du Tryptophan nicht einnehmen, wenn eines der folgenden Kriterien auf Dich zutrifft:

  • Du bist unter 18 Jahre alt
  • Du bist gegen die Inhaltsstoffe überempfindlich
  • Bei Nierenversagen
  • Bei einer Gehirnschädigung im Rahmen von Lebererkrankungen
  • Bei einem Dünndarmkarzinom mit Herzschädigung

Falls einer der folgenden Aspekte auf Dich zutrifft, solltest Du vor der Einnahme von Tryptophan dringend Absprache mit Deinem Arzt halten:

  • Du hast niedrigen Blutdruck
  • Du hast eine eingeschränkte Nierenfunktion
  • Du hast eine eingeschränkte Leberfunktion
  • Du bist schwanger
  • Du stillst

Bitte lass Dich immer fachmännisch beraten, wenn Du Zweifel zu einem der genannten Punkte hast.

Wie ist Tryptophan einzunehmen?

Wenn Tryptophan als Schlafmittel genutzt werden soll, wird in der Regel eine Dosis von 1000 mg empfohlen. Diese soll einmalig etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

Als stimmungsaufhellendes Mittel werden je nach Quelle unterschiedliche Dosen angeraten. Hierbei soll die Einnahme auf zwei bis drei Einzeldosen von 500 mg bis 1000 mg verteilt werden. Dementsprechend ergibt sich eine Tagesdosis von 1000 mg bis 3000 mg.

Prinzipiell wird angegeben, dass eine Einzeldosis höchstens 1000 mg betragen sollte, da Tryptophan andernfalls vom Körper nicht richtig aufgenommen werden kann.

Als maximale Tagesdosis werden zwischen 3000 und 5000 mg empfohlen. Diese Dosis sollte nicht überschritten werden, da sonst unangenehme Nebenwirkungen in verstärktem Maße auftreten können.

Sind Kombinationen mit anderen Substanzen sinnvoll?

Studien haben gezeigt, dass Tryptophan seine Wirkung am besten entfalten kann, wenn es in Kombination mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln wie Multivitamin- oder Vitalstoffkomplex eingenommen wird.

Aber nicht nur Vitamine, sondern auch weitere Substanzen versprechen in Kombination mit Tryptophan eine optimierte Wirksamkeit der Aminosäure. Bewährt haben sich insgesamt vor allem folgende Stoffe:

  • Vitamin B6: Das Vitamin gilt als Kofaktor, denn es unterstützt das optimale Funktionieren der Enzyme. Es trägt dazu bei, dass Tryptophan schneller in Serotonin umgewandelt wird.
  • Melatonin: Das Schlafhormon sorgt in Kombination mit Tryptophan für einen erholsamen und langen Schlaf.
  • L-Theanin: Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Aminosäure, die jedoch im Vergleich zu Tryptophan eine beruhigende Wirkung hat.

5-HTP oder Tryptophan?

Vielleicht erinnerst Du Dich, dass ich eingangs erläutert habe, dass Tryptophan sich im Körper zunächst in 5-HTP umwandelt. Da diese Substanz ebenfalls auf dem Markt ist, könntest Du nun vielleicht denken, dass es sinnvoller wäre, direkt 5-HTP zu nehmen.

Es gibt jedoch einige Argumente, die gegen das 5-HTP sprechen.

Das 5-HTP weist ebenfalls einige Nebenwirkungen auf, wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Auch Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Herzklopfen können auftreten.

Über eine bessere Wirksamkeit von 5-HTP gegenüber Tryptophan wird spekuliert. Einige Patienten behaupten, 5-HTP sei nahezu wirkungslos. Andere empfinden einen viel intensiveren Effekt als bei Tryptophan.

Studien haben jedoch angezeigt, dass gerade bei Patienten mit einer diagnostizierten Depression das 5-HTP schlechter vom Körper verwertet werden kann.

Mehrere Wissenschaftler haben unabhängig voneinander die Befürchtung geäußert, dass 5-HTP größere gesundheitliche Risiken mit sich bringt als Tryptophan.

Argumentiert wird, dass 5-HTP im Körper ungehindert große Mengen von Serotonin produziere. Dadurch habe es ein größeres Nebenwirkungspotential.

Du überlegst, 5-HTP mit Tryptophan zu kombinieren? In Kombination mit 5-HTP wird die Wirkung von Tryptophan unter Umständen verstärkt. Da beide Stoffe auf den Serotonin-Spiegel einwirken, darf die Einnahme nur kontrolliert erfolgen.

 

Warum SSRI, wenn es Tryptophan gibt?

Vielleicht fragst Du Dich nun, warum es überhaupt selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) gibt, wenn doch ein viel natürlicheres Präparat wie Tryptophan ebenfalls bei Depressionen eingesetzt werden kann.

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Kritiker gehen davon aus, dass auch die Pharma-Industrie daran beteiligt ist, dass statt der Aminosäure die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer gegen Depressionen eingesetzt werden. Denn so könne man an diesen Medikamenten mehr verdienen, heißt es. Tryptophan lässt sich als natürlicher Rohstoff nicht patentieren und ist für einen Bruchteil der Kosten von SSRI frei verkäuflich.

Es muss aber festgehalten werden, dass SSRI ganz anders funktionieren als Tryptophan. SSRI stellen nämlich kein Serotonin her, sondern verhindern den Abtransport von Serotonin. Auf diese Weise wird die Konzentration von Serotonin im Blut erhöht.

Die ersten SSRI sind seit den 1980ern, die meisten jedoch seit den 1990er Jahren auf dem deutschen Markt erhältlich. Zu dieser Art von Medikamenten gehören zum Beispiel Fluvoxamin, Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram oder Sertralin.

Nicht alle Patienten sprechen auf SSRI an. Bei leichteren Depressionen scheinen SSRI nahezu wirkungslos zu sein. Dennoch sind SSRI mit etwa 80 Prozent die am häufigsten verschriebenen Medikamente bei Depressionen und Angststörungen.

Die Nebenwirkungen von SSRI reichen von Nervosität und Schlafstörungen über Erbrechen bis hin zu einer erhöhten Suizid-Gefahr zu Beginn der Behandlung.

Ob Du ein chemisches Präparat wie SSRI benötigst, um Deine Depression in den Griff zu bekommen oder ob Du mit natürlicheren Mitteln wie Tryptophan Erfolge in Deiner Therapie erzielen kannst, solltest Du auf jeden Fall mit Deinem Arzt und Therapeuten besprechen.

 

Das Wichtigste für Dich noch einmal zusammengefasst:

  • Tryptophan ist eine natürliche essentielle Aminosäure, die im Körper in Serotonin verwandelt wird
  • Serotonin ist ein Neurotransmitter, der für Deine Stimmung zuständig ist
  • Ein ausgeglichener Serotoninspiegel wirkt sich positiv auf Deine Stimmung aus
  • Auch Depressionen stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Serotonin-Spiegel. Deswegen werden die meisten Depressionen pharmazeutisch mit Präparaten behandelt, die den Serotonin-Spiegel beeinflussen. Generell greift man jedoch auf chemische Präparate zurück: auf SSRI
  • Die Wirksamkeit von Tryptophan in der Therapie von Depressionen wurde in zahlreichen Studien bestätigt
  • Tryptophan ist in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel sowie als Arzneimittel bei Schlafproblemen zugelassen und frei verkäuflich
  • Tryptophan ist bei korrekter Einnahme nahezu nebenwirkungsfrei
  • Insbesondere in Kombination mit anderen Medikamenten, die auf den Serotonin-Spiegel Einfluss nehmen, kann Tryptophan jedoch schwere Wechselwirkungen auslösen. Du solltest Dich vor der Einnahme von Tryptophan von Deinem Arzt und Apotheker beraten lassen

Quellen und weiterführende Literatur: